Kammerchor Emmendingen

 

 

Lebenslauf

 

 

1971 trat der Kammerchor Emmendingen zum ersten Mal auf.

 

 

Bis heute gab es über 200 Konzerte und Auftritte. Eine Chronik über die mehr als 40 Jahre haben wir (noch) nicht. Es ist eine Aufgabe, die unsere Kräfte derzeit überfordert. Für alle, die sich für die Geschichte und das Werden des Chors interessieren, bieten wir zwei Texte an:

 

1. Der Rückblick von Rosmarie Kellner,

Sängerin seit 1971 und Vorsitzende des Kammerchors von 1994 bis 2005,

zum 30-jährigen Chorjubiläum 2001

und

2. die Ansprache von Hans - Peter Nusser,

stellvertretender Vorsitzender von 1994 bis 2009 und Vorsitzender seit 2009,

zum Jubiläumskonzert 40 Jahre Kammerchor Emmendingen 2011.

 

 

 

Rückblick

 

von Rosmarie Kellner, Gründungsmitglied und Vorsitzende des Kammerchors von 1994 bis 2005,

anlässlich dem 30-jährigen Chorjubiläum im November 2001

eine subjektive Dokumentation

 

Als Dieter Boch 1969 ein paar ehemalige "Singkreisler" zu einem Treffen einlud, um einige Chorsätze aus der Jugendzeit aufzuwärmen, dachte niemand daran, dass sich letztendlich daraus der Kammerchor Emmendingen entwickeln würde. Die Begeisterung am gemeinsamen Singen war jedoch groß, und man beschloss, sich regelmäßig zu treffen. Dieter Boch, der einige Jahre im Stuttgarter Kammerchor unter Leitung von Martin Hahn sang und dessen rechte Hand wurde, lernte dort auch Musik von Komponisten des 20. Jahrhunderts kennen, - Johann Nepomuk David, Karl Marx, Willy Burkhardt- die er der allmählich größer werdenden Sängerschar nahebrachte.

 

Am 15. Mai 1971 wagte der Chor sich mit seinem ersten Konzert an die Öffentlichkeit. Die Resonanz war positiv und ermutigte die Gruppe in den nächsten 23 Jahren weiterzuarbeiten und viele geistliche und weltliche A- Cappella-Werke alter und neuerer Komponisten aufzuführen. Seinem Grundsatz entsprechend wählte Dieter Boch solche Werke, die andere Emmendinger Chöre nicht in ihrem Repertoire hatten, die also meist Erstaufführungen in Emmendingen waren. In dieser Zeit knüpfte er auch eine Verbindung zur „Association des Amis de l'Orgue Silbermann en Alsace“. Diese Gesellschaft veranstaltet im Sommer eine Orgelkonzertreihe in den verschiedenen Kirchen mit Silbermann-Orgeln. In einigen dieser Konzerte wirkte der Kammerchor mit, z.B. in Molsheim, Ebersmünster und Straßburg. Auch Reisen nach Burgund und in die Partnerstädte von Emmendingen – Six- Fours - und Herbolzheim – Sisteron - wurden unternommen. Als die Mauer nach Ostdeutschland gefallen war, fuhr der Chor im Jahr 1993 zu Konzerten in die Partnerstädte Lauter/Erzgebirge und Annaberg-Buchholz des Landkreises und der Stadt Emmendingen. Im Gegenzug wirkte das Orchester des dortigen Theaters in Emmendingen beim Abschiedskonzert von Dieter Boch am 28. Mai 1994 mit. Es war also immer auch ein Bestreben des Kammerchores einen Kulturaustausch mit den Partnergemeinden zu pflegen.

 

Als Höhepunkte der Konzerttätigkeit unter der Leitung von Dieter Boch sollen besonders die "Johannespassion" BWV 245, die "Hohe H-moll Messe" BWV 232 von Johann Sebastian Bach und das Oratorium " Die Jahreszeiten" von Joseph Haydn hervorgehoben werden.

 

Im Sommer 1994 legte Dieter Boch seine Arbeit als Dirigent nieder und damit erhob sich für den Kammerchor die Frage seines Weiterbestehens. Das Ensemble war 24 Jahre eine völlig private Vereinigung, das Hobby des Dirigenten, der viel Zeit, Kraft und auch Geld dafür aufgewendet hat. Ohne die große Unterstützung und Mitarbeit seiner Frau Gudrun und in Finanzfragen Gerd Weeses, der immer wieder notwendige Mittel bei Stadt und Land besorgte, wäre die umfangreiche Konzerttätigkeit des Chores nicht möglich gewesen.

 

Wie sollte es nun weitergehen? In dieser unklaren Situation ergriff Wilfried Holzmann die Initiative. Er lud alle Sänger, die nicht aufhören, sondern weiter singen wollten, im September 1994 zu einem Treffen ein. Dabei bildete sich die Erkenntnis heraus, dass der Chor nur als Verein mit Satzung, Mitgliedsbeiträgen usw. weiter bestehen kann. Am gleichen Abend noch wurde der Verein gegründet, der Vorstand gewählt und die Satzung besprochen. Seit dem 6. Dezember 1994 ist der Kammerchor Emmendingen im Vereinsregister eingetragen und als gemeinnützig anerkannt. Von den Sängern wird ein Mitgliedsbeitrag von nicht geringer Höhe erhoben, damit Dirigent, Versicherung finanziert und Rücklagen für Konzerte gebildet werden können. Dabei helfen auch Stadt und Land (über den Bad. Sängerbund) mit der jährlichen Pauschalförderung und besonderen Zuwendungen bei außergewöhnlich hoher Belastung durch Konzerte mit Solisten und Orchester, ebenso helfen auch Banken, Firmen und Fördermitglieder.

 

 

Bei der Wahl seiner musikalischen Leitung hat der Kammerchor bisher immer "ins Schwarze getroffen". Trennungen, die durch berufliche Veränderung der Dirigenten sein mussten, fielen beiden Seiten jedes Mal schwer. Aber jeder Nachfolger konnte auf der Arbeit seines Vorgängers weiter aufbauen und so die Qualität des Chores steigern. Einige "Highlights" aus den vergangenen sieben Jahren sollen hier erwähnt werden: das "Requiem" op.48 von G. Fauré in Verbindung mit dem Orchester der Emmendinger Musikfreunde e.V. unter der Leitung von Andreas Maurer, "Stabat Mater" von Joseph Haydn mit Orchestermitgliedern der Philharmonie Freiburg und Sängern der Städtischen Bühnen Freiburg, die Stabführung hatte Matthias Böhm, der damalige Chordirektor der Städtischen Bühnen, W.A. Mozarts "Vesperae solennes de Dominica" KV 321 unter Mitwirkung von A. Maurers Orchester der Kirche St. Johannis zu Hamburg-Eppendorf, die Leitung hatte unser jetziger Dirigent Dominik Hormuth, Solorepetitor und Dirigent an den Städtischen Bühnen Freiburg.

 

Zum Schluss ein kleines persönliches Wort. Seit meinem 14. Lebensjahr ist das Singen im Chor ein ganz wichtiger Bestandteil meines Lebens. Ohne das Singen wäre mein Leben nicht so reich und erfüllt gewesen und dafür bin ich dankbar. Nach meiner Erfahrung wird durch das Singen Körper, Geist und Seele zu einer Einheit und schafft Verbindung zu anderen Menschen. In diesem Sinne grüße ich als das letzte noch aktive Gründungsmitglied von 1971 und als Vorstand des Kammerchores Emmendingen e.V.

 

 

 

 

 

 Ansprache

 

von Hans-Peter Nusser,

stellvertretender Vorsitzender von 1994 bis 2009 und Vorsitzender seit 2009,

beim Jubiläumskonzert 40 Jahre Kammerchor Emmendingen am 13.11.2011 in der Festhalle des ZfP (gekürzt)

 

 

Guten Abend, meine Damen und Herren,

 

am Programm des heutigen Konzerts zum 40-jährigen Bestehen des Kammerchors lassen sich fast alle der 7 für den Chor wichtigen Merkmale und Grundsätze aufzeigen:

1. Der Chor hat sich der klassischen Chormusik verschrieben, und zwar sowohl der geistlichen, kirchenmusikalischen Literatur als auch weltlichen Werken.

2. Das Repertoire umfasst alle Stilepochen von den Anfängen der schriftlich fixierten Musik des Mittelalters bis zur zeitgenössischen Musik, mit den Schwerpunkten Barock, Klassik und Romantik.

3. Der Chor singt a cappella, mit Instrumentalbegleitung, meist Klavier oder Orgel, und Werke mit Orchester.

4. Die Zusammenarbeit mit anderen Chören, wie TonArt Kenzingen, macht es dem Kammerchor möglich, besondere Konzerte und abwechslungsreiche Programme zu verwirklichen, die der Chor mit seinen derzeit etwas mehr als 25 Sängerinnen und Sängern allein nicht vortragen könnte, z. B. doppelchörige Werke oder das Oratorium Messias. Eine Zwischenbemerkung zum besonderen Verhältnis TonArt Kenzingen und Kammerchor Emmendingen: TonArt war ja 2003 unter das Vereinsdach des Kammerchors geschlüpft, nicht gekrochen, arbeitete aber selbstständig weiter. Die beiden Chöre gestalteten 5 sehr schöne, gemeinsame Konzerte. Älter geworden, fühlte sich das Ensemble TonArt reif, selbständig zu werden, und ist seit Mai dieses Jahres ein eigenständiger Verein. Nachdem Sie den Chor heute genießen durften, werden Sie sicher zukünftige Konzerte gern besuchen. Ganz herzlichen Dank an Sie, die Sängerinnen und Sänger von TonArt Kenzingen und an Sie, Herr Weber, für Ihr Kommen und für das wunderschöne musikalische Jubiläumsgeschenk.

5. Es kommen Einzelwerke zur Aufführung, wie im ersten Teil heute, ganze Liederzyklen, wie die Liebesliederwalzer, oder auch größere Werke wie Oratorien oder Messen.

6. Wenn möglich beteiligt sich der Chor am kulturellen Leben Emmendingens und seiner Umgebung, z. B. an der Museumsnacht, an der Einweihung von Steinhalle und neuem Rathaus, oder wie heute am Jubiläum des Klosters Tennenbach.

7. Wie die Messe von Machaut oder die gregorianischen Gesänge erfuhren viele, auch größere Werke ihre Emmendinger Erstaufführung in Konzerten des Kammerchors.

 

 

Besondere Bedeutung hat in jedem Chor der Chorleiter: Dieter Boch – Andreas Maurer – Matthias Böhm – Dominik Hormuth und David Mesquita.Von den ehemaligen Chorleitern des Kammerchors darf ich heute Matthias Böhm und Dominik Hormuth, und ihre Frauen, ganz herzlich willkommen heißen.

 

Nun möchte ich auf alle 5 etwas näher eingehen: Alle Chorleiter arbeiteten mit hoher Motivation und großem Spaß mit uns und überzeugten auf ihre individuelle Art.

 

Dieter Boch leitete den Chor 23 Jahre lang bis 1994 – für 120 Auftritte war er verantwortlich. Seine große Leidenschaft, ja sein eigentlicher Lebensinhalt war die Musik, ganz besonders der Kammerchor lag ihm am Herzen. Sein gesamtes musikalisches Wissen hatte er sich ohne Musikstudium autodidaktisch erarbeitet und setzte sich und damit auch dem Chor immer wieder neue, hohe Ziele. Seine Musizierfreude, sein Humor, seine Begeisterungsfähigkeit, seine Kreativität und seine Art, das Leben zu genießen banden viele Sängerinnen und Sänger eng an den Chor.

 

Auf ihn folgte Andreas Maurer. Er antwortete brieflich auf unsere Einladung. Ich lese Ausschnitte vor: „Ich denke immer wieder an Euch und an die schöne intensive Zeit. Für mich war die musikalische Arbeit mit dem Emmendinger Kammerchor für das Fach Dirigieren entscheidend und prägend. Vorher hatte ich keine so rechte Beziehung zum Dirigieren. Nun brauche ich es für meine Arbeit als Hauptamtler an allen Ecken. … Leider kann ich zu Eurem Jubiläumswochenende im November nicht kommen. Ich bin ja inzwischen Kreiskantor (Bezirkskantor) in Bad Segeberg und damit gemeinsam mit einem Kollegen für 35 Gemeinden fachaufsichtlich zuständig. Die Arbeit macht mir Spaß, sie erlaubt aber nur wenig private Wege. Leider bin ich auch an Eurem Wochenende terminlich gebunden. In Gedanken werde ich bei Euch sein.“ Bei ihm erfuhren wir, dass Singen viel mit Sich-etwas-Vorstellen zu tun hat. Höhere Partien lassen sich tatsächlich leichter und schöner singen, wenn man sich die Tongebung nach unten gerichtet vorstellt – und umgekehrt.

 

Nachdem er eine Anstellung in Hamburg erhalten hatte, hatten wir das große Glück, dass sich Matthias Böhm, damals Chordirektor an den Städtischen Bühnen, für die Chorleiterstelle bewarb. Er muss wohl auch gute Erinnerungen an den Kammerchor haben, denn er kommt heute aus Chemnitz und hat extra seinen sonntäglichen Organistendienst verschoben, um bei unserem Jubiläum dabei sein zu können. Als dem Chor nach dem Probedirigieren klar war: „Den wollen wir!“, blieb so ein kleines Unbehagen: „So hoch qualifiziert, mit einem so hohen Posten am Theater – ist es ihm Ernst mit unserem Laienchor?“ Aber er zerstreute unsere Zweifel leicht: „Nu, im Theater muss ich das machen, was von mir verlangt wird, hier darf ich das machen, was mir Spaß macht!“ Er erfreute den Chor mit uns bislang unbekannten Anekdoten und Witzen aus seiner Heimat in der ehemaligen DDR. Nach knapp zwei sehr schönen gemeinsamen Jahren verließ er uns aus beruflichen Gründen. Während wir uns schweren Herzens schon darauf vorbereiteten, die Stelle auszuschreiben, überraschte uns Matthias Böhm in einer der letzten Proben sinngemäß: „Ich hab’s! Wie kann man nur so blind sein? Ach, das Gute liegt so nah: der Dominik Hormuth, Korrepetitor bei uns am Theater“.

 

Damit war die Nachfolgefrage gelöst – ein Glücksfall, wie sich bereits nach kurzer Zeit erwies: Mit beeindruckender Ruhe und Souveränität leitete Dominik nach ganz wenigen Proben, quasi aus dem Stand, ein großes Konzert für Chor, Orchester und Solisten, zu dem Andreas Maurers neuer Chor mit dem von ihm geleiteten Kammerorchester St. Johannis aus Hamburg angereist waren. Über 5 ereignisreiche Jahre blieb Dominik Hormuth mit dem Chor verbunden, bevor er aus familiären Gründen nach Heidelberg zog. In seine Zeit fielen der Gegenbesuch in Hamburg, das 30-jährige Jubiläum, die Chorreise, die den Chor in die Slowakei, nach Sandomierz und nach Eisenberg in Thüringen führte, und die Uraufführung des Sonnengesangs von KMD Rolf Schweizer.

 

Seit 5 Jahren leitet nun David Mesquita den Chor mit unerschütterlichem Optimismus und dem andauernden Bestreben, den Chorklang zu verbessern. Dazu gehört, unvergesslich allen, die das miterleben dürfen, das „intelligente Sängergesicht“: Um die Resonanzräume des Kopfes optimal zu nutzen, muss man den Unterkiefer schlaff hängen lassen, dabei den Kopf etwas nach vorne neigen und dabei lächeln - da sieht man sehr fotogen aus. Manchmal geht im Probeneifer sein Temperament mit ihm durch, und er redet zu uns auf deutsch in so rasantem Redefluss, wie es Spanier oder Italiener gewohnt sind. Das kommt uns heute immer noch spanisch vor! Aber wir verstehen uns prächtig, und der Chor hofft auf weiter erfolgreiche und harmonische Zusammenarbeit.

 

 

3 der bisherigen Dirigenten waren beim 40-jährigen Chorjubiläum anwesend und verstanden sich prächtig:

 

                                David Mesquita                             Matthias Böhm                                Dominik Hormuth                         

 

Erfolgreiche Chorsingen gelingt nur, wenn die Sängerinnen und Sänger an einem Strang ziehen. Erfolgreiche Vereinsarbeit gelingt nur im Team, wenn genügend Personen die anfallenden Arbeiten übernehmen und wenn sich viele Mitglieder engagieren: Ich begrüße alle, die sich für den Chor eingesetzt haben und noch einsetzen und bitte um Verständnis, dass es mir nicht möglich ist, alle zu nennen, die es verdient hätten. Ich möchte stellvertretend nennen:

- Gudrun Boch, Ehefrau von Dieter Boch, die „Frau an seiner Seite“, die sehr viele der kleinen Aufgaben „nebenher“ erledigte

- Gerhard Weese, langjähriger Kassenführer, besser würde ihn die Bezeichnung Schatzmeister charakterisieren

- Wilfried Holzmann, von dem 1994 die Initiative zur Neugründung des Chors nach Dieter Bochs Abschied ausging

- Rosmarie Kellner, 11 Jahre Vorsitzende des Chors

- Bernd Kellner, der früher viele Plakate gestaltete, langjähriges passives Mitglied; er half die heutige Dokumentation zu verwirklichen

- Heti Fallsehr, die sich um die Gestaltung von Plakaten und Programmheften kümmerte und zusammen mit Ekkehard Mertens die Dokumentation 30-Jahre Kammerchor aufbaute

- Ekkehard Mertens, Kassenwart, Ideengeber in vielfacher Richtung und zusammen mit Otto Zinsser Organisator der letzten Chorreise in die Slowakei und in Emmendingens polnische Partnerstadt Sandomierz

- Renate Bannwarth, langjähriges Mitglied im Vorstand als Kassenwartin und Beisitzerin.

- Petra Rombach, 1. Vorsitzende von 2005 bis 2009 und seither Beisitzerin im Vorstand.

- Ruth Uhlenhoff, sang viele Programme mit, leitete häufig eine Probe, wenn der Dirigent mal nicht konnte, oder übernahm Stimmproben in der Einstudierphase.

- Elisabeth und Horst Winkler, langjährige Sänger, immer schon besonders engagiert, verwirklichten den neuen Flyer.

 

Nach den eher chorinternen Personen begrüße ich Sie alle, die unsere Konzerte besuchen, dem Chor die Treue halten und ihn auf vielfältige Weise unterstützen. Denn, was wäre ein Chor ohne sein Publikum, ohne seine Freunde und Förderer?

 

Ein besonderes Anliegen ist es mir, nun eine prominente Persönlichkeit begrüßen zu dürfen: Herrn Stefan Schlatterer, Oberbürgermeister der Stadt Emmendingen. Der Kammerchor führt ja den Namen der Kreisstadt und des Landkreises in seinem Namen. Ich betrachte es als Zeichen Ihrer großen Wertschätzung, dass Sie als Musikliebhaber trotz Ihrer vielen sonstigen Verpflichtungen zu uns gekommen sind: Herzlich willkommen! Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich bei der Stadt für die langjährige Unterstützung und die gute Zusammenarbeit mit dem städtischen Kulturamt bedanken. Da unser „Produkt“, der Gesang, vergänglich ist, darf ich Ihnen vom Chor für das Stadtarchiv das haltbare, papierene Verzeichnis aller Konzerte des Kammerchors überreichen.

 

1971 fand der erste Auftritt des Kammerchors statt. Das Foto vom ersten Konzert, in der BZ abgedruckt und draußen im Foyer ausgestellt, zeigt lauter junge Damen und Herren, kein graues Haupt. Im 1. Abschnitt der Besprechung des Konzerts in der BZ konnte man u. a. lesen: „Das erste Konzert des seit etwa einem Jahr arbeitenden Kammerchores wurde zu einer großen Überraschung - es hat einen starken und bleibenden Eindruck hinterlassen. Hier hat sich ein hochbegabtes Ensemble junger Menschen zusammengefunden und aus Idealismus … die Aufgabe gestellt, geistliche und weltliche Chorwerke aller Stilepochen zu erarbeiten. Wer mit solcher Hingabe, Freude und Intensität singt und musiziert und in der kurzen Zeit derart schwierige Werke sich aneignet, verdient hohes Lob. Der zunehmend starke Beifall der erfreulich zahlreich anwesenden Zuhörer soll der Chorgemeinschaft Ansporn sein, auf dem Wege zu ihren hochgesteckten Zielen weiterzumachen.“

Die guten Wünsche des Berichterstatters gingen in Erfüllung: In den 23 Jahren der Ära Boch verzeichnete der Chor 120 Auftritte. Als Dieter Boch aus verschiedenen Gründen 1994 das letzte Konzert ankündigte, sah es so aus, als ob der Kammerchor tatsächlich am Ende wäre.

 

Doch, es kam anders: Wilfried Holzmann gab der Stimmung unter den Sängern Ausdruck, ergriff die Initiative, und es stellte sich heraus, dass die Mehrzahl weitermachen wollte. In kurzer Zeit wurde ein Verein gegründet, Andreas Maurer als Dirigent verpflichtet, und schon ging es weiter, zuerst als „Neuer Kammerchor Emmendingen“, später kehrte man wieder zum alten, bekannten und nicht so sperrigen Namen zurück. Und die guten Wünsche des Berichterstatters von 1971 wirkten weiter: Es begann der 2. Teil der Erfolgsgeschichte: Weitere 17 Jahre gemeinsamen Singens im Chor folgten, und wer weiß, vielleicht kann der Chor im Jahr 2021 sogar das 50-jährige Jubiläum feiern. In seinem neuen Lebensabschnitt brachte es der Chor auf weitere 80 Auftritte, in diesem Jahr gab er das 200. Konzert. …

 

Der Kammerchor ist zwar sichtbar gealtert gegenüber dem Foto von 1971, singt aber weiter mit Freude und Begeisterung, die anstehenden organisatorischen und praktischen Aufgaben werden in Teamarbeit erledigt und die Aktiven sind bereit, mitzuarbeiten und sich einzubringen. Der Wille, in den Proben voranzukommen, ein Programm zu erarbeiten, ist deutlich spürbar. Donnerstagabends fühlt man sich oft müde und hat wenig Lust, jetzt noch zur Probe aus dem Haus zu gehen. Kaum hat die Probe begonnen, verfliegt die Müdigkeit, das gemeinsame Singen, die Probenfortschritte und nicht zuletzt die motivierende Ausstrahlung unseres Chorleiters, seine Fähigkeit, uns die Werke nahe zu bringen, seine gute Laune, seine Witzle und Anekdoten heben die Stimmung. So wirken die 2 Stunden Chorprobe wie ein wahrer Jungbrunnen: Beschwingt, Ohrwürmer summend oder pfeifend, redselig geht’s aus der Probe nach Hause im Bewusstsein: Heute hat sich’s wieder gelohnt!

Sie sehen, es lohnt sich, im Kammerchor mitzusingen, Sänger für ihn zu werben oder ihn als Fördermitglied zu unterstützen. …

 

Die Planungen für die nächsten Programme laufen auf Hochtouren: Ab Donnerstag lernen wir in vier Proben 4-stimmige Advents- und Weihnachtslieder, die wir am Sonntag, 11.12., zweimal aufführen: Zuerst in der Metzger-Gutjahr-Stiftung und anschließend auf dem Weihnachtsmarkt. Auch das Thema für das erste Programm 2012 steht: „Spanische Lieder zu Texten der Dichter Garcia Lorca und del Enzina“ - zusammen mit Jeannette Bastian, Gitarre, die dazu passende Stücke für Gitarre solo zu Gehör bringen wird.

 

So komme ich zum Schluss meiner Ansprache: Schöne Musik, gut vorgetragen stärkt Herz und Denken – damit der Körper mit Habhafterem versorgt wird, möchte ich Sie einladen, nach Ende des Konzerts noch zum gemütlichen Beisammensein dazubleiben: ein Gläschen oder mehrere trinken und sich mit Brezel und Hefezopf stärken, dabei die Dokumentation mit Fotos, Plakaten, Programmen und dem Konzertverzeichnis anschauen, Erinnerungen nachhängen, Erlebnisse und Geschichten austauschen, miteinander über die „guten, alten Zeiten“, über Gegenwart und Zukunft reden, und, ganz wichtig: den neuen Flyer mitnehmen, …